Gevous - Review des Summer Splits

Jul 26, 2024
Gevous - Summer Split Review

In Interviews hast du gesagt, du müsstest das Team von Grund auf neu aufbauen, um grundlegende Probleme angehen zu können. Was hast du damit gemeint und wie genau bist du dabei vorgegangen?

Die Spieler haben ihre eigene innere Logik mit Blick auf die Funktionsweise und die Strategien des Spiels entwickelt, die größtenteils auf ihren eigenen Erfahrungen und ihrer Intuition beruhen. Das führt natürlich dazu, dass die Spieler gewissermaßen voreingenommen sind und falsche Ansätze haben und es sogar zu Unstimmigkeiten und Missverständnissen kommen kann. Während des Splits haben wir dies oft feststellen müssen und es ist schade, dass die Spieler große Probleme damit hatten, unsere Sichtweise des Spiels umzusetzen. Wir waren diesbezüglich also nie alle auf derselben Höhe, geschweige denn derselben Überzeugung.

Man kann das mit einer Maschine vergleichen: Wenn Bauteile defekt oder nicht gut geölt sind, dann funktioniert die Maschine einfach nicht mehr. Sie kann ihre Aufgaben zwar bis zu einem gewissen Punkt erfüllen, aber sie wird nicht zu ihrer eigentlichen Höchstleistung auflaufen können. Und das bedeutet wiederum, dass eine Menge Reparatur- und Wartungsarbeiten nötig sind. Genau dafür hatten wir in diesem Split zu wenig Zeit. Wir haben versucht, theoretische Ansätze ins Team zu bringen, damit wir alle dasselbe Verständnis des Spiels haben, aber das hat die Dinge am Ende vielleicht nur weiter verkompliziert. Ich denke, dass es besser wäre, die Theorie zu vereinfachen und eher auf praktische Beispiele zu setzen (z.B. Vergleiche unserer Spiele mit Top-Tier-Matches).

Du hast auch gesagt, dass es dem Team an Beständigkeit fehlt. Woran liegt es, dass das Team so unterschiedlich auftritt?

Ich würde sagen, dass das so nicht ganz stimmt. Ich glaube zwar, dass unsere Leistung insgesamt meist am ersten Spieltag der Woche besser war, aber es ist jetzt auch nicht so, dass wir am folgenden Spieltag nicht dieselben bzw. ähnliche Fehler gemacht hätten. Die Fehlerhäufigkeit war zwar geringer, aber immer noch da.

Zum Thema Beständigkeit: In Scrims spielen Teams normalerweise aggressiver. Sie gehen eher an ihre Grenzen und machen mehr Fehler als in den Officials. Und ich denke, dass wir uns als Team zu sehr auf diese Fehler verlassen haben. Ich denke, dass das eine unserer größten Schwachstellen ist: Uns gelingt es zu selten, den Gegner auszuspielen.

Wenn man zwei Spieltage in der Woche hat, dann kann die Leistung am ersten Spieltag auf jeden Fall die Teamdynamik im darauf folgenden Match beeinflussen. Das kann positive und negative Einflüsse haben – bei uns war es meistens negativ.

Außerdem werden wir zu überheblich. Einige Spieler haben über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus gespielt, weil sie unbewusst mehr tun und sich stärker beweisen wollten. Das macht es natürlich für die Spieler, die eine Führungsrolle im Team haben, sehr schwer. Solche Dinge führen dazu, dass die Kommunikation gesprengt wird und keiner mehr wirklich weiß, was gerade passiert. Die Übersicht im Team geht dadurch verloren. Wenn wir es dann darüber hinaus nicht schaffen, den Gegner in die Enge zu treiben, stehen wir am Ende eben als Verlierer da.

Wie verbringt das Team die Off-Season? Wie kann man hier die Motivation aufrechterhalten?

Wir machen erst einmal ein paar Wochen Pause, um zur Ruhe zu kommen und uns zu regenerieren. Ich persönlich hatte mit COVID zu kämpfen und bin während der Superweek mit 40 Grad Fieber herumgelaufen.

Nach unserem Ausscheiden haben wir intensive Gespräche geführt und den Split Revue passieren lassen. Jetzt gilt es, die ganzen Gedanken, Gefühle und Meinungen aus diesem Austausch zu nutzen und mit diesen zu arbeiten. Das stärkste Gefühl, das in dem Treffen deutlich wurde, ist natürlich, dass wir alle mehr erreichen wollen. Keiner gibt sich mit den erzielten Ergebnissen zufrieden. Es ist schlichtweg ein miserables Ergebnis für das, was das Team auf dem Papier eigentlich leisten könnte. Wir werden also bald wieder mit dem Training beginnen und gegen EM-Teams scrimmen. Es wird viel mehr individuelles Coaching und eine No-Bullshit-Einstellung geben. Gerade auf Letzteres bin ich gespannt. Ich glaube, dass das Team einfach viel mehr Mut braucht.

Und Motivation natürlich. Wenn man nach diesen Ergebnissen nicht motiviert ist, besser zu werden, dann hat man den falschen Beruf gewählt. Dann wäre es besser, etwas anderes im Leben zu tun. Niederlagen können uns viel stärker machen als Siege.